UrStromUnterwegs ... zur größten Solarthermie-Anlage in Rheinland-Pfalz

Interesse und Bewunderung weckt das Energie-Projekt, das die Gemeinden Neuerkirch und Külz im Hunsrück beispielgebend für regionale Energieversorgung auf den Weg gebracht haben: die derzeit größte solarthermisch unterstützte Nahwärmeversorgung in Rheinland-Pfalz. Ausgezeichnet wurden die beiden Orte dafür mit dem Europäischen Solarpreis. Im Januar 2017 waren sie bundesweit Energiekommune des Monats.


Trotz grauem Himmel und kaltem Wind stehen die Exkursionsteilnehmenden beeindruckt vor den riesigen Sonnenkollektoren

Fasziniert lauschten die UrStrom-Exkursionsteilnehmenden der Erfolgsgeschichte dieses Leuchtturm-Projekts zum Klimaschutz. Grenzenlose Begeisterung war spürbar, als die beiden Ortsbürgermeister Volker Wichter und Aloys Schneider sowie der Architekt und Energiemanager Frank-Michael Uhle über ihre „Vor-Denker“-Initiative erzählten. Die Idee eines Nahwärmenetzes war das Ergebnis einer langfristigen Auseinandersetzung mit dem Thema einer zukunftsgewandten Dorfentwicklung in beiden Gemeinden. Mit einem 5er Netz hatte 2006 alles angefangen, heute setzen sie die ganze Bandbreite von Wärme, Wind und Photovoltaik für die Energiewende ein. 144 Haushalte werden bereits unabhängig von fossilen Brennstoffen versorgt. Zwei Holzhackschnitzel-Kessel mit insgesamt 1.200 kW Leistung und die solarthermische Anlage mit einer Solarkollektorfläche von über 1.400 m² erzeugen die Wärme. Pro Jahr werden dadurch über 400.000 Liter Heizöl ersetzt und mehr als 1.200 Tonnen CO2-Emissionen eingespart. „Wir haben die Klimaziele, die sich die Bundesregierung für 2050 gesetzt hat, schon jetzt erreicht“, erklärte Bürgermeister Wichter mit Stolz und Zufriedenheit. „Man sieht“, resümierte der Energiemanager, „was alles vorhanden ist, wenn man sich Gedanken macht. Und was alles entstehen kann, wenn man einmal etwas anstößt.“

Seit 2011 sind Energieberater, Politiker und Journalisten aus 37 Nationen bei ihnen vor Ort gewesen und haben erfahren, was regionale Wertschöpfung aus erneuerbaren Energien bewirken kann. „Das Schlüsselwort ist Wertschöpfung“, sagte Frank-Michael Uhle. „Wenn jeder seinen individuellen Vorteil erkennt, ziehen die Menschen zukunftsorientiert mit. Unser Ziel ist es, bis zum Jahr 2050 ca. 250 Mio. € jährliche Energieimport-Kosten regional zu binden. Durch Energieeffizienz und erneuerbare Energien wollen wir sie in regionale Arbeitsplätze und Wertschöpfung umwandeln.“ Und er zitierte Prof. Klaus Töpfer: „Energieeffizienz ist der schlafende Riese.“


Die UrStromer_innen sind fasziniert von der Erfolgsgeschichte, die zwei der Projekt-Initiatoren vorstellen: Volker Wichter (li.) und Frank-Michael Uhle

Im zweiten Teil unserer Reise zu Zukunftsdenkern kehrten wir im Bioweingut Gänz in Hackenheim ein. Bei einer Führung durch einen seiner Weinberge erzählte der junge Winzer von den schwierigen Anfängen und der heutigen Entwicklung seines Bioweinanbaus im Nahetal und in Rheinhessen. Kostproben der ausgezeichneten Weine und des Traubensafts, dazu 100 % Biogenuss auch beim Essen, kredenzte die Familie zum Abschluss unserer Exkursion. Dabei überreichten wir dem BioWeingut und Landhotel Gänz eine Urkunde, die den Betrieb für den Bezug von UrStromPur - 100 % Ökostrom - auszeichnet.


Genussvoller Ausklang der Exkursion bei Biowein und anderen Leckereien

Text und Bilder: Annette Breuel

Weitere Informationen zur Energiewende im Rhein-Hunsrück-Kreis:
https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/swr2-wissen-vorbild-rhein-hunsrueck/-/id=660374/did=20382946/nid=660374/b2hi26/index.html#